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Turbinen

Zu Beginn der Hydroplanes Ära waren alle Boote mit Verbrennungsmotoren der Marke Allison oder Roll-Royce ausgerüstet. Die V 12 Maschinen versahen vorher ihren Dienst in Kampflugzeugen des 2. Weltkriegs. Das erste Boot, das mit einer Turbine ausgerüstet wurde, war 1969 die “Golden Komotion”. Mit einer knapp 5000 PS leistenden Allison T-40 Turbine kam das 30 Fuß lange Boot aber nie zu einem Renneinsatz. Die Turbine explodierte bei einem Test in der Werkstatt.










Die heutigen Turbinen leisten zwischen 2650 und 3500 PS und stammen aus dem Chinook Hubschrauber von Boing

Das erste Unlimited Hydroplane mit Turbine im Renneneinsatz war die “U-95”. Das Boot wurde 1973 mit 2 Lycoming T-53 Turbinen gebaut. Zum Einsatz kam es allerdings erst nach dem Tod des Eigners, dem Industriellen Jim Clapp aus Seattle. Die Witwe finanzierte dann 5 Renneinsätze. Leif Borgersen fuhr die U-95 1974 und überbot den bis dahin geltenden Geschwindigkeitsrekord mit 113,469 mph. Die “U-95” sank 1974 in Sand Point. Danach wurde sie wieder mit einem Verbrennungsmotor ausgerüstet, erst mit einem Allison und später mit einer Rolls-Royce Triebwerk.

Das zweite “Turbinen-Boot” war die 34 Fuß lange “Miss Lapeer” mit einer Westinghouse Turbine. Die “Miss Lapeer” verfehlte die Qualifikationszeit und wurde nie wieder für ein Rennen eingesetzt.

Danach kam das nächste von Turbinen angetriebene Boot erst 1980. Die “Pay ´n Pak” gehörte Dave Heerensperger aus Kent, Washington. Heerensperger glaubte, dass die Turbinen wesentlich zuverlässiger seien als die Verbrennungsmotoren. Er meinte:” Ein Hubschrauber-Triebwerk läuft tausende Stunden ohne besondere Wartung. Wir beanspruchen die Triebwerke wesentlich geringer als sie in einem Hubschrauber genutzt werden. Unsere Rolls-Royce Maschinen laufen dagegen an der Belastungsgrenze.”
Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Hubschrauber-Turbinen war das Gewicht. Sie wogen gut ein Drittel weniger wie die herkömmlichen Antriebe.

Die “Pay ´n Pak” war schon wesentlich leichter als die “U-95” und benutzte nicht 2 T-53 Turbinen sondern nur eine T-55 Turbine. Die T-55 Lycoming Turbine war eine Weiterentwicklung von der T-53 und leistete ca. 2400 PS. Die Turbine war ursprünglich der Antrieb eines Chinook Transporthubschraubers (CH-47). Das gesamte Boot wog nur ca. 2200 kg (5000 Pounds) gegenüber den herkömmlichen Unlimiteds die zu der Zeit mit ca. 3200 kg (7000 Pounds) in die Rennen gingen.

1982 gewann die “Pay´n Pak” in New York auf dem Lake Senecaat Romulus als erstes Boot ohne Verbrennungsmaschine ein Hydroplane Rennen.



Der Chinook Transporthubschrauber

Foto:
Boing


Den Durchbruch der Turbinen brachte das Jahr 1984. Gleich 3 Teams setzten auf den neuen Antrieb und die “Atlas van Lines” holte sich als erstes Turbinen-Boot den begehrten APBA Gold Cup. Die “Atlas van Lines” wurde von einer Lycoming T-55 angetrieben und brach in dem Jahr mit einer Geschwindigkeit von knapp 146 mph den bestehenden Weltrekord in den Qualifikationsrennen.

1985 gelang es der “Miller American” (die ex “Atlas van Lines”) als erstem Boot mit Turbinenantrieb die meisten Punkte in einer Saison einzufahren. Das Team holte sich in 5 Rennen jeweils den Sieg, gewann den APBA Gold Cup und setzte als erstes Boot die Geschwindigkeitsmarke auf Rundkursen auf über 150 mph. Der Pilot Chip Hanauer fuhr bei der Qualifikation zum Rennen in Tri-Cities eine Geschwindigkeit von 153,061 mph. Im Rennen selbst fegte er mit über 140 mph um den Kurs, eine ebenfalls bis dahin nicht erreichte Geschwindigkeit.

Die Turbinenboote hatten zwar Oberwasser im Jahr 1985, aber die “Miss Budweiser” und die “Executone” kämpften mit herkömmlichen Motoren der Marken Rolls-Royce Griffon und Rolls-Royce Merlin tapfer um den 2. und 3. Platz.

Der Eigner der “Miss Budweiser”, Bernie Little, startete 1985 ein eigenes Turbinenprogramm. Das bis dahin als “Lite All Star” fahrende Boot wurde auf Turbinenantrieb umgerüstet und auf dem Columbia River getestet.





Die heutige “Miss Budweiser” bei einer Wende
Foto:
www.hydroprop.com


1986 wurde im Interesse der Sicherheit die Leistung der Turbinenboote auf 2650 PS begrenzt. Zum Start der Saison setzte Bernie Little dann gleich 2 “Miss Budweiser” ein. Eine mit Rolls-Royce Griffon Maschine und eine mit Turbinenantrieb. Nach 3 Rennen kam Little dann zu der Überzeugung, das der Turbinenantrieb der einzige Weg wäre um zu gewinnen. Er nahm die Griffon angetrieben “Miss Budweiser” aus dem Rennen und steckte alle Energie in die Turbinen-Miss, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

Danach war die Turbine als Antrieb nicht mehr aufzuhalten. 1986 starteten 3 Boote mit Turbine, 1987 waren es schon 7 und 1988 waren es 8 von 20 Booten, die mit einer Turbine als Antrieb ausgerüstet waren. 2001 wurde nur noch ein Boot von einer herkömmlichen Maschine angetrieben. Die “U-3” von der Cooper Familie erntete mit dem Antrieb mehr Medienaufmerksamkeit als die berühmte “Miss Budweiser” von Bernie Little.

Als Antrieb für die Unlimited Hydroplanes sind heutzutage die Turbinen T-55 L7B, T 55 L7C und TF 25 des Herstellers Textron Lycoming, sowie jede Art von Kraftfahrzeugmaschinen und V12 Flugzeugmotoren (bis 36 l Hubraum) zugelassen.

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Links zu “Turbinen”-Sites

 

 

Die Fa. Boing, Hersteller des Chinook Hubschraubers

www.boing.com/rotorcraft/

Die Geschichte der Turbinen angetriebenen Rennboote kann man im Hydroplane Museum gut nachlesen

www.thunderboats.org

Wie eine Turbine funktioniert, wird hier anschaulich erklärt, allerdings in englisch

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