Class 1

Was ist eigentlich die Class 1 oder besser, die U.I.M. Class 1 Superfund World Powerboat Championship wie sie offiziell heißt, und was macht ihren Reiz aus? Für den Fan ist es schwer zu beschreiben. Ist es vieleicht die absolut prickelnde Atmosphäre, die diese High-Tech Renner verbreiten? Oder ist es vieleicht der internationale Flair, der den Tross von einem guten Dutzend Booten umgibt? Vieleicht ist es aber auch nur der kraftvolle Sound, den die V12 Maschinen haben.

Fragt man 10 Leute was sie an der Class 1 begeistert, wird man 10 verschiedene Antworten bekommen. Die größte aller Offshore Rennklassen zieht jeden in seinen Bann, ob er will oder nicht. Selbst Gegner verstummen kurz und werden von der Faszination der 12- 14m langen Katamarane angezogen.

Ein paar Antworten auf die Frage “Was ist die Class 1” sollen hier kurz angerissen werden.

Der Ablauf eines Rennwochenendes

Wer fährt die Rennkatamarane?

Der Aufbau eines High-Tech Katamarans

Die “treibende Kraft” eines Class 1 Renners

 



Der Ablauf eines Rennwochenendes

Die Grand Prix der Class 1 Powerboat Offshore Meisterschaft werden ähnlich der Formel 1 Grand Prix an Land ausgetragen. Die Rennwochenenden beginnen bereits Donnerstags mit der Anreise der Teams. Am frühen Freitagmorgen ist die technische Abnahme der Rennboote. Hier wird festgestellt, ob die Katamarane dem Reglement entsprechen und fahren dürfen. Danach beginnen die Trainingsläufe für die Teams.

Am Samstag des Rennwochenendes wird es dann zum ersten Mal ernst. Während der Vormittag noch für Trainingsfahrten zur Verfügung steht, wird am Nachmittag der erste Wettbewerb ausgefahren - die Pole Position. Hier wird auf dem Grand Prix Kurs die schnellste Zeit ermittelt. Jedes Team hat die Chance in 3 einzelnen Runden eine gute Zeit zu fahren. Nach jeder Runde haben die Teams die Möglichkeit in der ”Pit” die Propeller zu wechseln oder Einstellungen am Boot vorzunehmen.

Der eigentliche Grand Prix
Ein guter Start kann das Rennen entscheiden
Der Grand Prix am Rennsonntag wird auf einem anspruchsvollen Rundkurs mit Kehren, schnellen und langsamen Kurven, kurzen und langen Geraden ausgefahren. Zurückgelegt werden dabei in der Regel 15 – 18 Runden, das entspricht einer Gesamtlänge von 100 – 105 Seemeilen (1 sm = 1,852 km). Die Rennen dauern ca. 1 Stunde. Während des Rennens kommt es immer wieder zu Überrundungen von langsameren Teilnehmern.

Der Start eines Grand Prix erfolgt fliegend in 2 Reihen, d.h. alle Boote fahren langsam in 2 Reihen hintereinander auf die Startlinie zu und wenn der offizielle Startschuß fällt und die Flagge geschwenkt wird, rasen die Powerboote in Richtung der ersten Wendemarke los.

Die erste Startreihe wird dabei von den 6 Schnellsten des Pole Position Wettbewerbes belegt. Das Team mit der besten Zeit startet vom besten Startplatz mit der kürzesten Entfernung zur ersten Wendemarke. Damit hat die Crew ein freies Fahrwasser und muß nicht durch den Pulk der anderen Teilnehmer kämpfen. Die nächsten 5 Boote reihen sich dann daneben ein. Alle anderen starten aus der 2. Reihe.



Punkte und Titel

Die Punktevergabe ist für beide Weltmeisterschaften gleich. Der jeweilige Sieger erhält 20 Punkte, der Zweite 15 Punkte, der Dritte 12, alle folgenden dann 9, 7, 5, 4, 3, 2, und 1 Punkt. Insgesamt gibt es 4 Titel in einer Class 1 Saison zu vergeben. Neben dem Pole Position Weltmeister und dem Class 1 GP Weltmeister zählen die Grand Prix Rennen in Europa zur Europameisterschaft und die Rennen im Mittleren Osten entsprechend zur Middle East Championship.

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Wer fährt die Rennkatamarane?

Wurden die Boote in der größten Offshore- Rennklasse Anfang der 90er Jahre noch mit 3 Mann Besatzung gefahren, so reicht bei den modernen Rennbooten heutzutage eine 2 Mann-Crew völlig aus. Die Arbeit des 3. Mannes, dem Navigator, hat mittlerweile die Technik übernommen. Moderne, Satellitengestützte GPS –Systeme (Geräte zur elektronischen Standortbestimmung) und ein Bordcomputer helfen der Besatzung beim Finden und Einhalten des genauen Kurses.
Fahrer der Victory 7 Saeed Al Tayer in seinem engen ArbeitsplatzDie Besatzung eines Class 1 Bootes besteht aus dem Fahrer und dem sog. Throttleman. Sie teilen sich das enge Cockpit mit einem wahren Dickicht aus High-Tech Geräten wie Navigationsinstrumenten, diversen Anzeigen für die beiden V12-Maschinen im Heck, Funkgeräten, Schaltern und Hebeln und den dazugehörigen Anzeigen. Bei der Hatz nach der WM-Krone wird die Arbeit im Boot geteilt. Die einfachere Aufgabe fällt dem Fahrer, Driver genannt, zu. Er achtet auf das GPS, den Kompass und den Bordcomputer und steuert dabei das Boot mit dem Ruder um den Kurs. Jede Markierungstonne, die er übersieht oder verfehlt kann das Team um etliche Plätze zurückwerfen, da sie die verfehlte Tonne nachholen müssen um nicht disqualifiziert zu werden.


Der Throttleman, frei übersetzt “Vollgas-Mann”, hat die etwas schwierigere Aufgabe. Er gibt Gas, überwacht dabei den Synchronlauf, die Drehzahl, die Temperaturen und Drücke der beiden Motoren und trimmt das Boot. Beim Trimmen des Bootes muß er, entsprechend der Geschwindigkeit, darauf achten, dass der Rumpf optimal auf, bzw. über das Wasser gleitet. Eine falsche Trimmung führt unter Umständen zum Fehlen des entscheidenden Knotens in der  Endgeschwindigkeit.

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Der Aufbau eines High-Tech Katamarans

Die Rümpfe

Wurden in den früheren Jahren der Class 1 überwiegend Boote mit einem V-förmigen Rumpf, den sog. Monohulls, wegen ihrer Festigkeit und Stabilität bei rauhen Seeverhältnissen favorisiert, so setzen die Teams heute ausschließlich Katamarane ein, die aufgrund ihrer Composite Bauweise den Monohulls in nichts nachstehen, bzw. sie sogar wegen ihres geringeren Gewichts und der höheren Geschwindigkeit bei ruhiger See übertreffen.
Die Victory 7 in voller Fahrt
Auch am Design der Rümpfe wurde ordentlich gefeilt. So ist an den heutigen Katamaranen fast jedes Detail ausschlaggebend für Geschwindigkeit und Handling. Die Form des Tunnels zwischen den beiden Kufen soll dem Boot Auftrieb geben. So verjüngt sich der Tunnel zum Heck hin und die vorne eintretende Luft hebt das Boot an. Es beginnt zu gleiten. An den Unterseiten der Kufen sind mehrere Zacken an bestimmten, per Computer berrechneten Abständen eingearbeitet. An diesen Zacken verwirbelt das Wasser mit der Luft unter dem Boot und bildet ein Polster, auf dem das Boot dann gleitet.


Cockpit mit Sicherheitskanzel

Mit der zunehmenden Geschwindigkeit der Offshore Rennboote wurde auch der Ruf nach mehr Sicherheit lauter. Reichte die Leistung der Motoren in den Booten der ersten Jahre gerade mal für Geschwindigkeiten bis 40 – 50 km/h, so erreichen die heutigen High-Tech Katamarane Endgeschwindigkeiten von 250 km/h und mehr.

So sind heute vollständig geschlossene Sicherheitscockpits für die Class 1 vorgeschrieben. Dazu sorgen 5-Punkt Gurte, Schalensitze, Sauerstoffversorgung im Falle eines Unfalls, Notaustiege, Feuerlöschsysteme und ständige Funkverbindung bei den heutigen Rennen für ein enorm hohes Maß an Sicherheit.

Wenn man seinen Blick über die Boote schweifen läßt, wird man feststellen, das es kaum 2 identisch aussehende Cockpits gibt. So gibt es Tandem-Cockpits in denen Fahrer und Throttleman nebeneinander oder auch hintereinander in separaten Cockpits mit eigener Glaskuppel sitzen und solche, in denen sich die beiden Crewmitglieder in einem Cockpit unter einer gemeinsamen Kuppel befinden.

Stammten die ersten Glaskuppeln, die sog. Sicherheitskanzeln, bei Offshore Rennen noch aus einem F-16 Kampfflugzeug, so werden heutzutage spezielle Modelle für die Offshore Boote angefertigt.

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Die “treibende Kraft” eines Class 1 Renners

Seit Beginn der Saison 2003 kommen ausschließlich Benzinmotoren zum Einsatz. Alle Teams setzen dabei auf Motoren von Lamborghini oder auf spezielle Weiterentwicklungen auf Basis dieses bewährten Bootsmotors.

Lamborghini V12 Power für alleEine der SCAM- Lamborghini Maschine der Jotun
Die Triebwerke werden dabei in den unterschiedlichsten Entwicklungsphasen verwendet. So kommen heute neben den älteren Maschinen mit 2- und 4-Ventilen auch speziell für die jeweiligen Teams getunte Aggregate zum Einsatz. Aufgrund eines auf 64mm begrenzten Lufteinlasses sind die V12 Saugmotoren in ihrer Leistung stark eingeschränkt. Die Maschinen "atmen" gegenüber den Vorjahren praktisch durch einen Strohhalm. Derart eingebremst werden, je nach Entwicklungsstand, aus dem maximal zulässigen 8,2 Litern Hubraum ca. 750 - 950 PS mobilisiert.




Gewartet werden die ca. 200.000,- Euro teuren Motoren der Top-Teams nach jedem Rennwochende. Die knapp unter 400 kg schweren V12 werden dazu direkt nach dem Rennen ausgebaut und zum Tuner, bzw. Hersteller geschickt. Für den Fall der Fälle, bringen die größeren Teams 2 oder mehr Ersatzmotoren zu den Rennen mit. Den Wechsel einer Maschine bewerkstelligen die geübten Teams innerhalb von wenigen Stunden.

Da die Katamarane mit zunehmender Geschwindigkeit mehr oder weniger auf einem Polster aus Luft und aufgewirbeltem Wasser dahin gleiten, befinden sich lediglich ein Drittel der Propeller im Wasser. Diese Art des Antriebs nennt man Oberflächenantrieb oder auch Surface Drive. Die Teams verwenden überwiegend Antriebe von Arneson, BPM und zum Teil von Mercruiser.

Die Propellerauswahl für die JotunPropeller

Die Kraft der mächtigen V12 Motoren wird über ein Getriebe und den Antrieb (Drive) auf die bis zu 15.000,- Euro teuren Spezial-Propeller übertragen. Die Class 1 Teams nutzen dabei die Propeller des Schweizer Herstellers Rolla oder Produkte aus der amerikanischen High-Tech Propellerschmiede Hering. Die “Wunderprops” aus Edelstahl werden in 4, 5 oder 6-blättrigen Varianten gegossen oder geschmiedet. Ganz wichtig für die Entscheidung über Sieg oder Niederlage ist die Wahl des Propellers. Die Propeller sind für Rennboote das, was die Reifen für einen Formel 1 Wagen sind. In manchen Werkstatt-Trucks kann man eine wahre ”Galerie” dieser glänzenden, sündhaft teuren Einzelstücke an den Wänden hängen sehen.

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